Linux-Distributionen
Kernel und GNU-Werkzeuge sind Rohmaterial. Um daraus ein installierbares, benutzbares System zu machen, braucht es jemanden, der alles zusammenstellt, konfiguriert und ausliefert. Genau das ist die Aufgabe einer Linux-Distribution.
Was ist eine Distribution?
Abschnitt betitelt „Was ist eine Distribution?“Eine Distribution (kurz: Distro) bündelt:
- den Linux-Kernel in einer bestimmten Version
- GNU-Werkzeuge und Systembibliotheken
- einen Paketmanager zur Software-Verwaltung
- vorinstallierte Anwendungen und Konfigurationen
- ein Installationsprogramm (Installer)
Der letzte Punkt ist entscheidend: Eine Distribution ist im Wesentlichen eine Installationseinheit. Ohne Distribution müsste man Kernel, Compiler, Shell und jeden einzelnen Befehl manuell herunterladen, kompilieren und einrichten. Die Distribution nimmt einem das ab und liefert ein sofort nutzbares System.
Nach der Installation ergibt sich typischerweise folgende Verzeichnisstruktur (unabhängig von der gewählten Distro – das ist Linux-Standard):
Ordner/ (Wurzelverzeichnis)
Ordnerbin/ grundlegende Systembefehle (ls, cp, bash, …)
- …
Ordneretc/ systemweite Konfigurationsdateien
- …
Ordnerhome/ persönliche Verzeichnisse der Benutzer
Ordneralice/
- …
Ordnerbob/
- …
Ordnervar/ variable Daten (Logs, Datenbanken, Caches)
Ordnerlog/
- …
Ordnerusr/ installierte Programme und Bibliotheken
Ordnerbin/
- …
Ordnerlib/
- …
Ordnertmp/ temporäre Dateien (wird beim Reboot geleert)
- …
Die wichtigsten Distributionen
Abschnitt betitelt „Die wichtigsten Distributionen“Historische Wurzeln
Abschnitt betitelt „Historische Wurzeln“Die meisten heute relevanten Distributionen lassen sich auf wenige Ur-Distros zurückführen:
| Distribution | Jahr | Bedeutung |
|---|---|---|
| Slackware | 1993 | Älteste noch aktive Distro; minimalistisch, manuell |
| Debian | 1993 | Basis für Ubuntu und hunderte weitere Distros; community-getrieben |
| Red Hat | 1994 | Grundlage für Fedora, CentOS, RHEL; prägte den Enterprise-Markt |
| SUSE | 1994 | Stark in Europa und im Enterprise-Bereich verbreitet |
Heute relevante Distributionen
Abschnitt betitelt „Heute relevante Distributionen“Debian-Familie:
- Ubuntu – die meistgenutzte Desktop-Distribution; einsteigerfreundlich, große Community
- Linux Mint – basiert auf Ubuntu; besonders Windows-Umsteigern empfohlen
- Raspberry Pi OS – offizielles System für den Raspberry Pi
Red-Hat-Familie:
- Fedora – community-getrieben; zeigt, wohin Red Hat technisch entwickeln will
- RHEL (Red Hat Enterprise Linux) – kostenpflichtiger Enterprise-Support
- AlmaLinux / Rocky Linux – freie, binärkompatible RHEL-Klone; lösten CentOS ab
Unabhängige:
- Arch Linux – Rolling Release; maximale Aktualität; für erfahrene Nutzer
- openSUSE – stark in Unternehmensumgebungen; bietet stabiles Leap und rolliges Tumbleweed
- Alpine Linux – extrem schlank; Standard-Basis für Docker-Container
Unterschiede zwischen Distributionen
Abschnitt betitelt „Unterschiede zwischen Distributionen“Ausrichtung
Abschnitt betitelt „Ausrichtung“| Typ | Typische Distros | Merkmale |
|---|---|---|
| Desktop / Client | Ubuntu, Mint, Fedora | Grafische Oberfläche, einfache Installation, Consumer-Software |
| Server | Debian, Ubuntu Server, Rocky Linux | Kein Desktop, Stabilität, langer Support-Zeitraum |
| Enterprise | RHEL, SUSE Linux Enterprise | Zertifizierungen, kommerzieller Support, strenger Zyklus |
| Minimal / Embedded | Alpine, Void | Kein Overhead, Container, Router, IoT |
Software-Zusammenstellung: Stable vs. Rolling
Abschnitt betitelt „Software-Zusammenstellung: Stable vs. Rolling“Distributionen unterscheiden sich stark darin, wie konservativ oder aktuell sie Software ausliefern:
- Stable / LTS (z. B. Debian stable, Ubuntu LTS): Software ist älter, aber gut getestet – ideal für Server
- Rolling Release (z. B. Arch, openSUSE Tumbleweed): immer aktuellste Versionen – ideal für den eigenen Desktop
Das Paketsystem
Abschnitt betitelt „Das Paketsystem“Das Paketsystem ist eines der deutlichsten Unterscheidungsmerkmale. Pakete enthalten vorkompilierte Software und Metadaten über Abhängigkeiten – der Paketmanager löst diese automatisch auf.
# Paketlisten aktualisierenapt update
# Paket installierenapt install nginx
# Paket entfernenapt remove nginx
# System aktualisierenapt upgrade# Paket installierendnf install nginx
# Paket entfernendnf remove nginx
# System aktualisierendnf upgrade# Paketlisten aktualisierenzypper refresh
# Paket installierenzypper install nginx
# System aktualisierenzypper update# System aktualisieren und Paket installierenpacman -Syu nginx
# Paket entfernen (inkl. nicht mehr benötigter Abhängigkeiten)pacman -Rns nginxInit-System
Abschnitt betitelt „Init-System“Fast alle modernen Distributionen nutzen systemd als Init-System – den ersten Prozess, der beim Booten startet (PID 1) und alle Dienste verwaltet:
# Dienst startensystemctl start nginx
# Dienst beim Boot automatisch startensystemctl enable nginx
# Status eines Dienstes prüfensystemctl status nginxWelche Distribution wählen?
Abschnitt betitelt „Welche Distribution wählen?“| Ziel | Empfehlung |
|---|---|
| Einsteiger / Desktop | Ubuntu oder Linux Mint |
| Heimserver / selbst hosten | Debian oder Ubuntu Server |
| Unternehmensumgebung | RHEL, Rocky Linux oder SUSE Linux Enterprise |
| Lernen / vollständige Kontrolle | Arch Linux oder Debian (minimal install) |
| Container-Images | Alpine Linux |